Die wilde MitteRoadtrip durch Norwegen & Schweden

Vom Norden Deutschlands geht es über die Storebælt und die Öresund Brücke über Ystad und Öland nach Stockholm. Von dort quer durchs Land in Richtung Norwegen.

Femundsmarka

Als Geheimtipp unter den Nationalparks Norwegens sticht der Femundsmarka hervor. Zusammen mit den Schutzgebieten, die sich bis ins schwedische Innenland erstrecken, liegt er in einem der größten zusammenhängenden Wildnisgebiete in Süd-Skandinavien. Bereits am Femundsee schlägt unser Herz für die norwegische Natur höher – unwissend, was ein Roadtrip durch die umliegenden Nationalparks im Herbst noch alles bereithalten würde.

Mit einer Länge von rund 60 km prägt der benachbarte Femundsee das Landschaftsbild, eingehüllt in ein grünes Gewand der vielen umliegenden Wälder im Engerdal. Wir schalten einen Gang zurück und suchen über die App Park4Night eine Haltemöglichkeit im Süden an der Landstraße 654. Was wir zunächst für eine glückliche Fügung halten, wird bald zur Gewohnheit: Immer wieder überqueren Rentiere die Straßen, beobachten mit erhobenen Haupt die wenigen vorbeifahrenden Autos und verschwinden wieder im Dickicht.

Røros

Auf der Weiterfahrt ins Landesinnere machen wir einen Abstecher in die ehemalige Bergbaustadt Røros. Hier scheint die Zeit stillzustehen. 1644 wurde die Stadt gegründet, die heute ein lebendiger Museumsort ist. Viele der, nach heutigen Maßstäben, winzigen Holzgebäude stehen nahezu unverändert und doch von Sonne und Schnee gezeichnet im Schatten der Hügel aus Schutt der ehemaligen Kupfererz-Mine. Hier lohnt sich ein Spaziergang durch die engen Gassen im Stadtkern. Kein Haus gleicht dem benachbarten und die alten Innenhöfe, vielen Läden und Werkstätten sind besonders in der Nebensaison einen Besuch wert.

Dovre- und Rondane-Nationalpark

Nicht einmal zwei Stunden südwestlich treffen der Dovre- und der Rondane-Nationalpark aufeinander. Die Farben der Wälder explodieren zu dieser Jahreszeit und setzen sich kontrastreich vom ersten Schnee auf den Gipfeln der umliegenden Berge ab. Nachdem wir uns zunächst nicht für einen geeigneten Schlafplatz entscheiden können, stellt sich die Frage der Übernachtung nach einem Blick zur und von der Hjerkinn Mountain Lodge nicht mehr. Der pittoreske Hof bietet nicht nur Hotelzimmer, Apartments und Pilgerhütten im Landschafts-Panorama. Es gibt auch einen kleinen Campingplatz von dem wir am darauffolgenden Morgen beobachten können, wie eine Gruppe von Gästen mit Islandpferden im Glanz der ersten Sonnenstrahlen in Richtung Dovre-Nationalpark aufbricht.

Spätestens auf dem Weg in die nördlich gelegene Kommune Oppdal wissen wir nicht mehr wohin mit unseren Blicken. Dass wir im Hoheitsgebiet der Moschusochsen angekommen sind, verraten vor allem die Fotografen an den vereinzelnden Parkplätze am Straßenrand, die mit ihren Teleobjektiven auf der Lauer liegen. Ich geselle mich kurz dazu, habe aber kein Glück. Sicher würden meine Chancen steigen, bestritten wir einen der Trampelpfade in die Landschaft. Doch wir wollen es heute noch bis zum Fuße der Bergkette Trollheimen schaffen.

Innerdalsvatna

Unser Ziel: Das schönste Hochtal Norwegens. Unweit des Oppdølsstranda am Tingvollfjorden fahren wir rechts auf einer engen Straße gen Osten. Mehrfach fragen wir uns, ob wir wirklich richtig sind, weichen einem entgegenkommenden Wagen aus und halten dennoch Kurs. Am Parkplatz Innerdal in Nerdal wird uns klar, dass auf Google Maps in dieser einsamen Gegend nicht immer Verlass ist. Denn anders als erwartet müssen wir von hier aus zu Fuß weiter. Es ist spät und der Himmel zieht sich zu. Doch an eine Rückkehr ist nicht zu denken. Es geht bergauf. Steil. Es regnet. Die einzigen Menschen, die uns begegnen, sind auf dem Rückweg – wir bilden uns mitleidige Blicke ein. Nach 45 Minuten erreichen wir den Innerdalsvatna und gerade noch rechtzeitig öffnet sich der Himmel über dem See, ehe es noch stärker regnet. Wir drehen um.

Bei einem Roadtrip durch die Nationalparks im Herzen Norwegens ist der Blick durch die Frontscheibe oft postkartengleich. Die gut ausgebauten Straßen winden sich um nebelbehangene Berge, führen über Hochebenen und durch Täler, vorbei an einsamen Hütten, wilden Bachläufen und tiefen Wäldern. Das Landschaftsbild im Landesinneren ändert sich im Minutentakt und wir werden von immer wechselnden Eindrücken verschlungen.

Trollstigen und der Geirangerfjord

Wir schlängeln uns am Langfjorden entlang zum weltberühmten Trollstigen. Der Blick von dem Parkplatz am unteren Punkt der kurvigen Strecke nach oben lässt nur erahnen, wie die Aussicht von dort sein muss. Für die Gruppe von Radfahrern die sich neben uns aufwärmen anscheinend Motivation genug, die 11 Haarnadelkurven strampelnd auf zwei Rädern zurückzulegen. Wir werfen ihnen kurz respektvolle Blicke zu, die ins zunehmende Staunen übergehen, je höher wir fahren. Oben angekommen kraxeln wir über die Felsen auf einen Wanderweg ein paar Meter oberhalb der Aussichtsplattform, auf der die kleinen Touristengruppen vermuten lassen, wie voll dieser Ort in der Hauptsaison sein muss.

Der Weg in Richtung der Fähre von Linge nach Eidsdal bietet eine mystische Kulisse von der Abenteuer-Filme nur träumen können. Hier auf dem Thron der Rauma Kommune weichen Wasserfälle kleinen Eisfeldern und es besteht kein Zweifel, warum die umliegenden Berge so majestätische Namen wie Kongen (König) und Dronningen (Königin) tragen. Den Höhepunkt der einzigartigen Landschaft des Schutzgebiets Geiranger-Herdalen bietet der gleichnamige Fjord am Ende einer weiteren Serpentine. Zu viel für unseren Camper, der seine Überforderung mit Unheil versprechenden Ausdünstungen Luft macht. Wir bleiben über Nacht.

Es mag am Regen oder der eisigen Nacht gelegen haben, aber der allseits umschwärmte Geirangerfjord sollte uns nicht als eindrucksvollster Ort des Roadtrips in Erinnerung bleiben. Die wechselnde Landschaft auf dem Weg zurück ins Landesinnere hingegen schien auch unserem Wagen neue Kräfte zu verleihen.

Und schon wieder ändert sich das Bild. Die herbstlichen Farben rund um die Fjorde weichen am höchsten Punkt der Reichsstraße 63 in Richtung Süden einem tiefen rot im Kontrast zu den dunklen Tönen der markanten Bergspitzen. Die steile Strecke gleicht einem Abstecher durch den Norden Islands. Wir steigen immer wieder aus, stapfen durch angefrorene Pfützen und klettern auf moosbedeckte Felsen. Der kalte Wind beißt sich durch immer mehr werdenden Schichten an Klamotten.

So vielfältig wie die Landschaft ist auch das Tierreich rund um die Nationalparks. Neben Rentieren und Raubvögeln stehen hier die Chancen nicht schlecht, auch einem Elch zu begegnen. Diese Elchkuh kreuzt unseren Weg in Richtung Lom. Auf den intensiven Blickwechsel lassen wir uns nur mit respektvollem Abstand ein.

Lom und Jotunheimen

In Lom steht eine der bekanntesten hölzernen Stabkirchen Norwegens. Dendrochronologische Analysen datieren den Baubeginn auf 1158, seither bietet sie einen Zufluchtsort für Pilgerer. Die lokale Spezialität sind Zimtschleifen aus dem Steinbackofen des ansässigen Bäckers, die uns den finalen Abschnitt in Richtung Beitostølen versüßen.

Am Rande des Nationalparks Jotunheimen verabschiedet sich die nahezu perfekte Route durch Norwegens wilde Mitte von ihrer schönsten Seite: Die tief stehenden Wolken tauchen in die Herbstfarben der Flora ein und die Sonne wärmt die abenteuerlustige Seele.

Von hieraus geht es noch zu einem Abstecher nach Bergen und über Oslo und Kopenhagen wieder nach Deutschland.

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